Und dann
Und dann sitzt er da, sitzt da und hat die Hörer auf, sitzt da und schaut auf den Bildschirm, sitzt da im Dunkeln, zwei Hörer und zwei Türen von seiner Freundin entfernt, die liegt, sitzt da und hört und hat alles parat, Gewesenes und noch Schwebendes, sitzt da und riecht den Herbst von vor 20 Jahren und fühlt sich im Bad stehen als kleiner Junge, in der ersten Wohnung stehen und dem ersten Bad, in dem er stand und das schon fünf Wohnungen und Bäder her ist. Und sitzt da und sitzt da ja gar nicht, wippt, kippelt, schaukelt, nickt, der Kopf, die Schultern, die Lider: nichts sitzt. Er fliegt, rauscht, kämpft im spanischen Bürgerkrieg und tanzt in Dorfdiscos vor der Wende. Er sitzt und sitzt und ist so alt und so jung, dass sitzen wohl das Einzige ist, was all diese Zustände verbinden könnte, sitzen und Grimassen schneiden. Und dann ist es drei oder fünf und er sitzt noch und muss doch liegen, wenigstens drei oder fünf dieser Stunden. Und dann liegt er und sitzt doch immer noch und tut nichts von alledem, er fliegt, er brennt, große Städte und Gebirgspässe, Strände und Kinderzimmer. Und er steht auf und muss gehen und fahren und wieder sitzen, acht Stunden sitzen und jetzt sitzt er wie eingepflanzt, ohne Wind in den Blättern, doch die Ohren rauschen noch, aus einer Zeit herüber, aus der er sich nicht erinnern kann, je gesessen zu haben. Gelaufen, gerannt, gesprungen ist er, die Hände in den Taschen, und immer, immer, immer die Hörer auf den Ohren.
