Kleine Genealogie des Traums 4

Nach all den Jahren der Albträume war an Schlaf nicht zu denken. Nie wieder wollte er schlafen müssen. Um nichts in der Welt konnte wach sein schlimmer sein als das, was ihn in diesen wenigen Stunden erwartete, die ihn vor die Hürden des nächsten Tages hieven sollten. Sowieso war es ihm ein bleibendes Rätsel, wie es angenommen acht Stunden Schlaf pro Nacht – und das war viel – schaffen sollten, ihn für die doppelte Zahl an Stunden körperlicher und geistiger Anstrengung vorzubereiten. Nein. Der Schlaf war nichts weiter als eine Verlängerung der Qualen des Tages in einen Zustand, in dem er der Kontrolle über sich und sein Handeln völlig entzogen war – und der somit dem Tag an sich bereits gleichkam. Doch der Schlaf raubte ihm zudem alle Hoffnung, da er ja… Aber da ja nun Wachen und Schlafen eins waren und es auf Tag und Nacht nicht ankam, legte er sich hin und schlief mit tiefen, abrupten Atemzügen und unter seinen geschlossenen Lidern zuckte und regte es sich fortwährend wie in einem Ei, aus dem sich der Schnabel eines Kükens kämpfen will, aber nicht kann.