Die beste Crew

Der Sticker, mit dem das ein nicht unerheblich verändertes Erscheinungsbild aufweisende Tatobjekt versehen wurde, war mal rund, gelb und von Hand beschriftet (Aufnahmeort und Datum), mal eckig und gelb und mit dem Logo der Betreibergesellschaft versehen, und mal verkündete ein Sticker in den Farben des Unternehmens (in diesem Fall weiß und rot), dass der „Schaden bereits an unsere Werkstatt“ gemeldet worden sei und der Defekt umgehend behoben werde. Waren die Sticker wohl hauptsächlich dafür da, die internen Reinigungsabläufe der ja mitunter über Einzugsgrenzen verschiedener Werkstätten hinweg fahrenden Züge zu vereinfachen, indem Mitarbeiter im Einzugsgebiet B oder C durch einen jeweiligen Sticker sofort klar war, dass der Schaden bereits etwa im Einzugsgebiet A aufgenommen worden war (im Falle der runden gelben, von Hand beschrifteten Kleber), oder dass der Schaden zumindest irgendwo (eventuell auch im eigenen Einzugsgebiet) aufgenommen war und die nötigen Schritte bereits eingeleitet worden sind (das zeigte jeder Sticker); sollten sie, die Klebstreifen, also eigentlich nichts anderes forcieren als die möglichst schnelle Reinigung der Außenhaut des Tatobjekts von der aufgebrachten Farbe, so wurden sie schnell zum Agenten gegenteiliger Wirkung, zumindest anfangs. Er kopierte sich einfach einen solchen Sticker (es waren jene kleinen, gelben, runden, mit der Hand beschriebenen), beschriftete ihn und klebte ihn nach Fertigstellen seines Bildes selbst auf. Der Mitarbeiter, für den das Kleberverfahren auch noch neu und die Situation somit ungewohnt gewesen sein muss, war beim Entlanggehen des Objekts sicher froh darüber, dass der doch neu scheinende Schaden schon erfasst war und er um den Bürokram herumkam, zumindest um den Anruf und das eventuell dadurch bedingte Umparken und Gerenne, mindestens um die obligatorische zeitliche Verzögerung. Und gerade, wenn ihm etwas komisch vorgekommen sein sollte, weil er sich doch sicher war, dass dort vormals kein Schaden feststellbar gewesen wäre und er auch nichts von neuen Schäden an diesem Objekt oder in diesem Depot gehört hatte (was bei ordnungsgemäßer Aufnahme eines Schadens eigentlich die Regel war), so wird ihm seine Unsicherheit noch mehr dazu veranlasst haben, eben nicht nachzufragen (er war wie alle Bahner sicher schon lange im Geschäft und doch kein dummer Junge mehr!). Und so waren in der Anfangszeit der Sticker und zwischendurch hin und wieder erhebliche Verschleppungen des Putzvorgangs möglich. Ein Bild (oder Schaden) rollte durch geschicktes Auf-, Ab- und Umkleben der Marker an verschiedenen Abstellorten sogar so lange, bis die darauf folgend eingesetzten Klebmarker (die gelben mit dem Logo des Betreibers) bereits einige Wochen im Einsatz waren. Allein, dass diese gelben, eckigen Logo-Kleber auf die doch mehr Information bietenden kleinen runden, zusätzlich mit Aufnahmeort und -datum beschrifteten Sticker folgten, zeigte ja den Erfolg sicher vieler ähnlich gelagerter Systemeingriffe. Während der alte Sticker vor allem auf bestmögliche Abstimmung interner Vorgänge hin konzipiert war, zeigte der neue nunmehr lediglich, dass sich bereits um den Schaden gekümmert werde. Das aber mit Nachdruck, sprich Firmenlogo, fast ein wenig trotzig und irgendwie auch als betreibereigene Antwort auf die angebrachte Buchstabenfolge: Die beste Crew sind immer noch wir.