Kleine Genealogie des Traums 2

Träume, die weder etwas mit anderen Träumen noch mit den Ereignissen des Tages zu tun haben und nichts hinterlassen als einen bittersüßen Schmerz: Wie ein Film, den man alle paar Jahre sieht, der einen an die Jugend erinnert und der all die Jahre zwischen dem jeweiligen Filmschauen auf die bittere Dimension ihrer Länge reduziert: Wie man diesen Film, diesen Traum, dieses schmerzliche Lied, von dem man nur einen Teil des Refrains, ein Stück Melodie im Kopf hat, krampfhaft wiederholt und nicht wahrhaben will, dass das Lied, die Jugend, der Traum: dass das alles, wenn man aufhört es zu wiederholen, dass dieser greifbare Teil des Bettlakens, das man, der Höhle der Kindertage gleich, schützend über sich spannen will um alles Wissen, alle Erinnerung darunter zu bergen, verschwinden wird: Verschwinden wird, weil der Schmerz, sobald man aus dem Bett steigt, in Schwindel übergeht und weil man nicht mehr in die Kleider seiner Jugend steigt und weil der Wind des geöffneten Fensters die Melodie hinwegträgt und weil es keine, keine Hoffnung gibt.