Kleine Genealogie des Traums 1
Wenn er langsam aufwacht, sieht er im Traum nichts mehr. Der Traum dreht sich dann auch nur noch darum, dass er nichts mehr sieht. Er, der Traum schützt sich davor, dass man, also er, zuviel in die wache Welt mitnimmt. Sobald der Traum merkt, dass man nicht mehr ganz in ihm ist, egal, ob man das will oder nicht, macht er, der Traum, zu. Und je mehr man, also er, sich anstrengt, den Traum und sich in ihm, dem Traum, wieder sichtbar zu machen, desto wacher wird er, desto weniger wird der Traum ihm gestatten. Obwohl man, also er, ja weiß, wie das funktioniert. Er weiß: Es ist ein Moment der Schwäche. Der Trotz, die Hoffnung: der Traum sei noch nicht vorbei. Aber wann ausgeträumt ist, entscheidet man, also er, nicht selbst. Es ist nicht einmal sicher, dass das der Traum entscheidet. Selbst Alpträume, die sich immer wiederholen und in der selben Einstellung abbrechen: Es ist ja nicht gesagt, dass der Traum sich gerne wiederholen möchte, wieder und wieder, ohne Fortkommen und Auflösung. Ein Alptraum ist ein Vorwurf und gleichzeitig ein Eingeständnis. Ohne, dass man nicht irgendwo doch wüsste, warum man, also er, ihn träumt, träumte er ihn auch nicht. So weicht weder die Angst vor dem Tage der Angst vor der Nacht noch umgekehrt. Hellwach ist er jetzt.
